Hodenkarzinom

Behandlungsschwerpunkt / Krankheit: Hodenkrebs / Hodentumor / Hodenkarzinom

Beschreibung / Definition: Als Hodenkrebs/Hodenkarzinom bezeichnet man eine bösartige Gewebewucherung, die von den Keimzellen (Vorläuferzellen der Spermien) des Mannes ausgeht.

Die Bezeichnungen „Hodenkrebs“, „bösartiger Hodentumor“ und „Keimzelltumor“ meinen das Gleiche. Bösartig ist der Hodenkrebs deshalb, weil er rasch das gesunde Hodengewebe zerstört und sich in alle Organe des Körpers ausbreiten kann. Ohne Behandlung ist der Tumor immer tödlich – noch vor 30 Jahren starben fast alle Erkrankten. Heute kann der Hodenkrebs durch eine frühzeitige Behandlung bei den meisten Menschen geheilt werden. Es erkranken vor allem junge Männer in der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren. Hodenkrebs ist in dieser Altersgruppe die häufigste Krebserkrankung.

Entstehung, Pathogenese, Risiken: In Deutschland erkranken etwa 4100 junge Männer jährlich neu an Hodenkrebs.

Die Ursachen der Tumorbildung sind noch nicht endgültig entschlüsselt. Bereits während der Entwicklung des Kindes im Mutterleib können „falsch programmierte“ Keimzellen im Hoden des Ungeborenen entstehen; aus ihnen entwickeln sich später Krebszellen. Nach der Geburt bleiben diese „falsch programmierten“ Keimzellen in einem Ruhezustand. Der Hormonschub in der Pubertät kann diese ruhenden Vorläuferzellen (TIN-Zellen) aktivieren, so dass daraus Krebszellen entstehen. TIN-Zellen kann man schon Jahre, bevor ein Hodenkrebs festgestellt wird, mikroskopisch nachweisen.

Ein erhöhtes Risiko an Hodenkrebs zu erkranken, besteht

  • bei einem angeborenen Hodenhochstand
  • bei familiärer Belastung.

Weltweit ist die Zahl der Hodenkrebserkrankungen in den letzten 20 Jahren deutlich angestiegen; der Grund hierfür ist unklar. Je nach Art des Tumorgewebes wird Hodenkrebs in verschiedene Gruppen eingeteilt: Seminome, Teratome, Mischtumoren. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sich die Behandlung nach der Art dieser Gewebedifferenzierung richtet.

Symptome:

Die meisten Männer bemerken die ersten Anzeichen von Hodenkrebs selbst. Typische Krankheitszeichen sind:

eine Schwellung oder ein Knoten im Hoden - der meist schmerzlos ist
Rückenschmerzen durch vergrößerte Lymphknoten im hinteren Bauchraum
Eine Vergrößerung oder Schmerzhaftigkeit der Brustdrüsen
Wer Veränderungen an seinen Hoden bemerkt, sollte deshalb den Arzt aufsuchen. Erfahren in der Diagnostik und Behandlung ist der Urologe.

Diagnostik: Der Arzt wird bei Verdacht auf Hodentumor den Hoden vorsichtig abtasten.

Dann schließt sich eine Ultraschalluntersuchung an, die mehr sieht als die Hände tasten. Im Blut wird nach Eiweißstoffen gefahndet, die der Tumor abgibt und die deshalb erhöht sind (Tumormarker). Mit diesen einfachen und schmerzlosen Untersuchungen gelingt in den meisten Fällen der Tumornachweis.

Die letzte Sicherheit bringt die Freilegung des erkrankten Hodens mit Entnahme einer Gewebeprobe über einen Schnitt in der Leiste. Wird der Verdacht durch das Mikroskop bestätigt, so muss in der gleichen Sitzung der Hoden entfernt werden. Der gesunde Hoden der Gegenseite übernimmt die Funktion, so dass langfristige Nebenwirkungen nicht auftreten.

Nach dieser Operation müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um zu sehen, ob sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat. Dies geschieht durch eine Computertomographie von Lunge und Bauchraum. Erneute Blutproben ermitteln den Verlauf der Tumormarker. All diese Untersuchungen legen das Krankheitsstadium fest: im Stadium 1 ist der Tumor auf den Hoden begrenzt, im Stadium 2 ist er in die Lymphknoten des hinteren Bauchraums gestreut und im Stadium 3 finden sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten außerhalb des Bauchraumes oder in anderen Organen.

Behandlungsmöglichkeiten: In jedem Stadium der Erkrankung kann heute der Hodentumor geheilt werden. Die größten Heilungsmöglichkeiten garantieren Spezialisten für die Operation, die Chemotherapie bzw. die Bestrahlung.

Da es sich oft um junge Patienten handelt, wird vor der Behandlung die Konservierung von Sperma mit dem Patienten besprochen. Anschließend folgt – je nach Krebsstadium und Tumorart – eine sorgfältige Überwachung, eine Chemotherapie, eine Bestrahlung und evtl. eine Operation. Die einfache Überwachungsstrategie ist immer dann möglich, wenn der Tumor wenig aggressiv ist und sich noch nicht im Körper ausgebreitet hat. Handelt es sich um ein Seminom, dann können die Metastasen in den Lymphknoten bestrahlt werden. Mischtumoren bzw. Teratome werden in diesem Stadium chemotherapiert.

Strahlentherapie: Sie hat zum Ziel, Krebszellen zu vernichten. Hochenergetische Strahlungen schädigen die Krebszellen und blockieren deren Vermehrung. Die Bestrahlung stellt eine regionale Behandlungsform dar (im Gegensatz zur Chemotherapie); der Patient wird üblicherweise an 5 Tagen pro Woche für 5 Minuten bestrahlt. Die Dauer richtet sich nach der Tumorausbreitung.

Chemotherapie: Sie hat zum Ziel, Krebszellen zu vernichten. Hochenergetische Strahlungen schädigen die Krebszellen. Eine Chemotherapie kommt vor allem bei Teratomen zum Einsatz, da diese nicht auf eine Bestrahlung ansprechen. Grundlage der Chemotherapie ist das Prinzip, dass sie Zellen zerstört, die sich sehr schnell teilen. Die Zytostatika blockieren das Wachstum, indem sie in die Zellteilung eingreifen. Da Hodentumoren zu den sehr schnell wachsenden Krebsarten gehören, lassen sie sich durch Chemotherapie gut behandeln. Die Chemotherapie ist ein hochwirksamer „Cocktail“ (Wirkstoffkombination) aus verschiedenen Zytostatika. Sie werden in 1-4 Zyklen als Infusion über eine Armvene innerhalb von 5 Tagen verabreicht. Zwischen zwei Zyklen liegt eine Pause von 2 Wochen. Nebenwirkungen sind hier nicht ganz zu vermeiden (Haarausfall, Erbrechen).

Verbleiben nach dieser anfänglichen Therapie noch Tumorreste im Körper, so werden sie operativ entfernt. Ist die Phase der akuten Krebsbehandlung bewältig, beginnt die nächste Phase: die Tumornachsorge. Diese hat die Aufgabe, rechtzeitig zu erkennen, wenn die Krankheit wieder auftritt.


Begleit- oder Folgeerkrankungen festzustellen und zu behandeln.
Bei psychischen, physischen und sozialen Problemen zu helfen. Dazu gehören auch die Rehabilitation krankheitsbedingter Beeinträchtigungen und die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit.

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