Die kranke Schilddrüse

Struma
Die Struma ist eine Vergrößerung der Schilddrüse. Sie kann mit einer normalen, Über- oder Unterfunktion einhergehen. Die häufigste Ursache ist der Jodmangel. Oft ist die Schilddrüse dabei knotig verändert. Diese Schilddrüsenknoten stellen in der Regel gutartige Veränderungen da. Allerdings sollten Knoten auf jeden Fall untersucht werden, um eine Bösartigkeit auszuschließen. Besonders beachten muss man sogenannte „kalte“ oder „hypofunktionelle“ Knoten, da bei diesen eine bösartige Schilddrüsenerkrankung zugrunde liegen könnte. „Warme“ oder „heiße“ Knoten dagegen sind zwar immer gutartig, können jedoch zu einer Überfunktion führen, die gegebenenfalls auch behandlungsbedürftig ist.

Prof. Dr. med.
Michael Cordes
Teamleitung Schilddrüsenzentrum am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg
Nuklearmediziner und Radiologe, Nuklearmedizinische und radiologische Diagnostik, Radiojodtherapie von gutartigen und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen, Stv. Sprecher der Projektgruppe Schilddrüsentumoren im Tumorzentrum der Universität Erlangen-Nürnberg, Präsident des Wissenschaftlichen Beirats der Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V. Martin-Richter-Straße 43 90489 Nürnberg
Schilddrüsenzentrum

Überfunktion (Hyperthyreose)
Die Schilddrüse produziert zuviel Schilddrüsenhormon. Häufige Ursachen sind der Morbus Basedow und eine Schilddrüsenautonomie (autonomes Adenom).
Die Symptome sind Gewichtsverlust, ein schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, gesteigerte Nervosität, Zittern der Hände, vermehrtes Schwitzen, Zyklusstörungen, Hitzeempfindlichkeit und Schlafstörungen.
Die Schilddrüsenüberfunktion kann entweder medikamentös oder durch eine Radiojodtherapie, bzw. eine Operation behandelt werden. In seltenen Fällen kann zunächst auch eine stationäre medikamentöse Behandlung in unserem Interdisziplinären Schilddrüsenzentrum erforderlich werden.
Ist die Überfunktion von einem Hervortreten der Augäpfel (Morbus Basedow) begleitet, erfolgt eine begleitende Behandlung durch den Augenarzt.

Unterfunktion (Hypothyreose)
Die Schilddrüse produziert zu wenig Schilddrüsengewebe. Als Ursache kommt zum Beispiel die Hashimoto Thyreoiditis in Frage. Im Rahmen einer Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen die Schilddrüse richtet, kommt es dabei zu einem Verlust an funktionsfähigem Gewebe. Symptome können eine kalte, trockene Haut, Konzentrationsschwäche, Menstruationsstörungen, depressive Stimmungslage, Gewichtszunahme, häufige Schläfrigkeit und Bluthochdruck sein. Die Schilddrüsenunterfunktion wird medikamentös behandelt. Ein entsprechendes Behandlungskonzept wird Ihrem Hausarzt zur Verfügung gestellt.

Tumore der Schilddrüse

Das Wort 'Tumor' macht Angst, bedeutet jedoch zunächst allgemein nur, dass in Ihrer Schilddrüse eine Gewebeneubildung oder Knotenbildung vorliegt. Die meisten Veränderungen sind gutartig. Bösartige Schilddrüsentumore werden durch eine Operation und gegebenenfalls nachfolgender Radiojodtherapie behandelt. Heilungen sind möglich und bei den meisten Tumorarten häufig zu erreichen. Knoten in der Schilddrüse werden entweder 'ausgeschält' oder man entfernt einen Teil oder die gesamte Schilddrüse. Bei bösartigen Tumoren muss die Schilddrüse in der Regel komplett entfernt werden, gegebenenfalls auch Halslymphknoten in der Umgebung. Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, so gewährleisten wir im Schilddrüsenzentrum die stadien- und tumorgerechte Behandlung nach den neuesten Erkenntnissen. Tumornachsorgeuntersuchungen, die bei bösartigen Tumoren lebenslang wahrgenommen werden sollten, werden im Interdisziplinären Schilddrüsenzentrum mit Ihnen geplant und finden dort statt.

Diagnostik
In unserem Schilddrüsenzentrum stehen Ihnen die modernsten Diagnosemethoden zur Abklärung von gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen zur Verfügung:

  • hochauflösende Ultraschalluntersuchung
  • Feinnadelpunktion zur zytologischen Untersuchung
  • Laboranalysen
  • Schilddrüsenszintigraphie
  • Computertomographie
  • Kernspintomographie

Schilddrüsenknoten müssen abgeklärt werden. Dazu setzen wir so viele diagnostische Mittel wie nötig ein. Nur so kann die richtige Behandlungsmethode gewählt und gegebenenfalls die Entscheidung für eine Operation getroffen werden.

Therapie
Nach Abklärung steht Ihnen in unserem Schilddrüsenzentrum das gesamte Spektrum therapeutischer Optionen zur Verfügung:

  • Medikamentöse Behandlung
  • Radiojodtherapie
  • Operation

Die medikamentöse Therapie kann in unserem Schilddrüsenzentrum eingeleitet werden und dann durch den Hausarzt oder auch durch unser Zentrum überwacht werden.

Radiojodtherapie
Die Radiojodtherapie wird in Deutschland unter stationären Bedingungen durchgeführt. Hierfür steht im St. Theresien-Krankenhaus eine entsprechende Therapieeinheit zur Verfügung. Die Unterbringung der Patienten erfolgt in hellen, modern eingerichteten Krankenzimmern, die über Telefon und Fernsehen verfügen.
Für die Radiojodtherapie wird Ihnen eine Therapiekapsel wie bei einer Tabletteneinnahme verabreicht, die eine individuell genau berechnete Dosis des Radiojods beinhaltet.

Während der Radiojodtherapie werden tägliche Kontrollmessungen durchgeführt. Auf Grund der Kontrollmessungen lässt sich ermitteln, ob die erwünschte Dosis in der Schilddrüse erzielt werden konnte oder ob noch eine Nachtherapie erfolgen muss.
Die Radiojodtherapie wird sowohl zur Behandlung gutartiger als auch bösartiger Schilddrüsenerkrankungen durchgeführt.
Nebenwirkungen der Behandlung wie zum Beispiel eine lokale Entzündungsreaktion der Schilddrüse sind äußerst selten und können durch lokale Maßnahmen (Eiskrawatte) oder eine Tabletteneinnahme gut behandelt werden.

Die Schilddrüsenoperation

Ziel der Schilddrüsenoperation ist es, krankhafte Veränderungen der Schilddrüse zu entfernen und gleichzeitig gesundes Gewebe zu erhalten (morphologie- und funktionsgerechte Resektion). Das Ausmaß der Operation richtet sich nach dem Befund:

Entfernung eines einzelnen Knotens

Resektion (operative Entfernung) des oberen oder unteren Schilddrüsenpols

OperSubtotale Resektion der Schilddrüse mit Belassen eines normal großen Restes

„Near total thyreoidectomy“ mit Belassen der hinteren Schilddrüsenkapsel zur Vermeidung einer Stimmbandnervenverletzung

Hemithyreoidektomie als vollständige Entfernung einer Schilddrüsenhälfte

Vollständige Thyreoidektomie als Regeleingriff bei bösartigen
Schilddrüsenerkrankungen. Bedingt durch Anzahl, Lage und Größe der Veränderungen kann es erforderlich sein, auch bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen eine vollständige Entfernung des Organs vorzunehmen.

Der Einsatz der intraoperativen Schnellschnittuntersuchung ermöglicht es uns, im Falle einer bösartigen Schilddrüsenerkrankung noch während der gleichen Operation und Narkose den Eingriff entsprechend den Erfordernissen auszudehnen (vollständige Entfernung der Schilddrüse und gegebenenfalls Entfernung der zugehörigen Halslymphknoten).

Narben am Hals können kosmetisch sehr störend sein. Daher versuchen wir, alle Operationen an der Schilddrüse über einen kleinstmöglichen Schnitt vorzunehmen. Durchschnittlich beträgt die Länge der Operationsnarben etwa 3 bis 4 Zentimeter. Um ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erzielen, erfolgt der Hautverschluss mit einer speziellen Nahttechnik „intracutan“, d.h. mit einem sich auflösenden Nahtmaterial, so dass nur ein feiner Strich zurückbleibt. In ausgewählten Fällen wird die Operation „minimal-invasiv“, videoskopisch unterstützt durchgeführt, was zu einem noch günstigeren kosmetischen Ergebnis führt.

Bei jeder Operation können auch Komplikationen auftreten. Nachblutungen und Wundinfektionen sind jedoch in der Schilddrüsenchirurgie äußerst selten. Eine mögliche Komplikation ist die Schädigung des dicht an der Schilddrüse entlang ziehenden Stimmbandnerves. Um das Risiko einer Schädigung der Stimmbandnerven zu minimieren, wird an unserer Klinik routinemäßig das „intraoperative Neuromonitoring“ eingesetzt. Dies ermöglicht es uns, während der Operation den Nerv leichter aufzusuchen und zu erkennen. Außerdem kann am Ende der Operation die Funktion der Stimmbandnerven überprüft und dokumentiert werden. Dadurch kann eine sehr niedrige Rate an permanenten Stimmbandnervenverletzungen erreicht werden.

Eine weitere mögliche Komplikation ist die Schädigung der Nebenschilddrüsen mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Calciumstoffwechsel. Um dies zu vermeiden werden die Nebenschilddrüsen während der Operation sorgfältig dargestellt und geschont, gegebenenfalls unter Verwendung von Lupenbrille oder Operationsmikroskop.

Einnahme von Hormonen nach der Operation
In vielen Fällen ist es erforderlich, nach der Operation oder der Radiojodtherapie lebenslang Schilddrüsenhormone einzunehmen. Dies hängt von der Größe der noch vorhandenen Restschilddrüse und ihrer Funktion ab. Außerdem verhindert die Hormongabe das erneute Auftreten von Schilddrüsenknoten.
Es ist daher erforderlich, nach einer Operation bzw. Radiojodtherapie die Hormonbildung zu überprüfen und eine medikamentöse Behandlung einzuleiten oder anzupassen. In der Regel stellen sich die Patienten mit all ihren Befunden bei uns ambulant vor, kommen dann zum vereinbarten Termin zur Operation bzw. Radiojodtherapie.

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